Abgeschlossen

Allgemeinmedizin

Direktor:
Prof. Dr. med. Thomas Kühlein

Der Hausarzt zu Zeiten der Corona-Pandemie – eine diskursanalytische Betrachtung

Masterandin: Stefanie Stark

Die weltweite Verbreitung und die sehr hohe Ansteckungsrate machen das Corona-Virus im medizinischen wie auch im gesellschaftlichen Diskurs relevant und nicht vergleichbar mit anderen bisherigen Pandemien. Dies wird durch das Ausrufen des Katastrophenfalls und das Einrichten von Krisenstäben in den einzelnen Ländern, aber auch durch Ausrufen des internationalen Notstands der WHO deutlich. Primär stellt die rasche globale Ausbreitung, die dynamische Entwicklung sowie die Unbekanntheit des Virus und dessen Krankheitsverlaufs die Gesundheitssysteme der Länder vor große Herausforderungen. So gilt es genau dieses vor einer Überlastung oder gar vor einem Zusammenbruch zu schützen. Im Zentrum des Gesundheitssystems steht der Hausarzt, als „Primärbehandler mit Koordinationsfunktion“, welcher gerade auch während einer solchen Pandemie, eine gesonderte Schlüsselrolle einnimmt. So wurden politische Maßnahmen getroffen, die nicht nur Einfluss auf das Handeln eines jeden Bürgers nehmen, sondern auch auf die Akteure der Allgemeinmedizin, allem voran auf die Hausärzte, indem gesundheitspolitische Vorgaben das ärztlich-professionelle Handeln in der hausärztlichen Versorgung maßgeblich mitbestimmen.

Basierend auf diesen Anpassungen und Umstellungen bezüglich des Vorgehens der hausärztlichen Versorgung in der Pandemie-Situation, ergibt sich folgendes Forschungsinteresse: Im Mittelpunkt stehen die durch die Krise bedingten berufs- sowie gesundheitspolitischen Anpassungen und die Zentralisierung auf die hausärztliche Versorgung. So soll in einer diskursanalytischen Betrachtung auf die Rolle und Relevanz des bayerischen Hausarztes in der Corona-Krise eingegangen werden, welches anhand der Vorstellung des Bayerischen Hausärzteverbandes als Organisationsform und Informationsmedium der ärztlichen Profession und der Untersuchung der offiziellen „Corona-Rundschreiben“ des BHÄV an die Hausärzte geschehen soll. Mittels der Anwendung der wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) nach Reiner Keller (2008) wird demnach folgender Fragestellung nachgegangen werden: „Welche Rolle(n), Aufgabe(n) und Relevanz wird dem Hausarzt in der Corona-Pandemie zugeschrieben oder aberkannt?“

 

„Was erwarten Ärzte und Laien von Medikamenten gegen Osteoporose?“

Doktorandin: Anna Schlenz

Die Erwartungen von Ärzten und Patienten bezüglich medikamentöser Therapien ist oft unterschiedlich. In einer Online-Fragebogenstudie sollen medizinische Laien und Ärzte verschiedener Fachrichtungen einmalig befragt werden. Es geht darum, herauszufinden, was diese Personengruppen von Medikamente gegen Osteoporose erwarten.

Dabei sollen sich die Teilnehmer der Studie in die Situation eines Patienten/einer Patientin mit definiertem Risiko versetzen und entscheiden, ab welchem Therapieeffekt sie bereit wären ein Medikament mit vorbeschriebenen Nebenwirkungen einzunehmen. Außerdem geht es generell darum, ab welchem persönlichen Risiko für einen Knochenbruch die Probanden eine medikamentöse Therapie in Erwägung ziehen würden. Die Ärzte werden zusätzlich befragt wie sie den tatsächlichen Nutzen einer bestimmten Medikamentengruppe (Bisphosphonate) im Fallbeispiel einschätzen.

 

"Überversorgung aus Sicht von Patienten"

Doktorandin: Josephine Reymann

Kampagnen wie „Choosing Wisely“ greifen das Thema Überversorgung auf und in richten sich in populärwissenschaftlich aufbereiteten Beitragen gezielt an Bürger und Patienten. Aber: Was bedeutet Überversorgung eigentlich für die Menschen? In dieser Studie sollen Patienten und Bürger befragt werden, ob und wie sie Überversorgung wahrnehmen, ob es für sie eine Rolle spielt und wie sie mit dieser Diskussion umgehen.

Link zu Choosing Wisely

„Was mache ich da eigentlich jeden Tag? - Versorgungsqualität von Patienten mit Asthma und COPD in der Hausarztpraxis"

Doktorand: Korbinian Saggau

Was genau ein Hausarzt in der Behandlung seiner Patienten richtig macht und wo Verbesserungsbedarf besteht, ist mit Hilfe der Praxissoftware oder des Disease Management Programmes (DMP) der Krankenkassen für den normalen Arzt nicht herauszubekommen. Wir versuchen am Beispiel von Asthma und COPD den deutschen Hausärzten diese Mittel in die Hand zu geben. Diese Arbeit soll zeigen, was wichtig für den einzelnen Patienten ist, und einen Weg aufzeigen, wie Ärzte diese Parameter ermitteln und daraufhin positiv beeinflussen können.

 

„Entwicklung eines probabilistischen Netzwerks für klinische Behandlungspfade auf der Grundlage von Patientenkohortenmerkmalen, Outcome-Indikatoren und klinischer Workflow-Analyse zur Erstellung künstlicher Patienten mit prostatischen Adenokarzinomen“

“Development of a probabilistic network for clinical pathways based on patient cohort characteristics, outcome-indicators and clinical workflow analysis to create artificial patients with prostatic adenocarcinoma”

Masterandin: Andrea Riedel (Studiengang: Medical Process Management)

Aufgrund der ständigen Entwicklung in der Medizin existiert eine große Spannbreite an Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten für verschiedenste Erkrankungen. Wie kann der technische Fortschritt in der Digitalisierung helfen, verschiedene individuelle Patienteninformationen in die Behandlungsentscheidung einfließen zu lassen? Kann ein Zusammenspiel zwischen klinischen Entscheidungshilfen und evidenzbasierten Leitlinien zur Patientenstratifizierung technisch umgesetzt werden?

Die Masterarbeit im Studiengang Medical Process Management erfolgte in Kooperation mit Siemens Healthineers. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Generierung eines probabilistischen Netzwerks, um anschließend künstliche Prostatakrebspatientendaten erzeugen zu können. Dieses Netzwerk, welches auf aktuellen Studiendaten basiert, soll eine Klassifikation von realitätsnahen Patienten ermöglichen. Die Klassifikation erfolgt hinsichtlich ihrer Charakteristika, Leitlinienadhärenz oder -abweichung der Behandlung sowie der resultierenden Outcome-Indikatoren. Das abschließend entwickelte probabilistische Netzwerk wird Teil der virtuellen Klinik zur Entwicklung und Testung verschiedenster digitaler Produkte sein.

 

"Überversorgung aus Perspektive des Hausarztes"

Doktoranden: Kathrin Alber und Maximilian Pausch

Das Thema Überversorgung findet zunehmend Eingang in die gesundheitswissenschaftliche Diskussion. Ziel ist es Überversorgung zu erkennen und zu verhindern. Vor diesem Hintergrund hat sich das Konzept der Quartären Prävention etabliert. Quartäre Prävention ist die „Verhinderung unnötiger, potenziell schädlicher Medizin, die Verhinderung von Überdiagnostik und Übertherapie“. Patienten, die von Überversorgung bedroht sind, sollen erkannt werden, ebenso wie Versorgungselemente, die keinen Nutzen haben. Quartäre Prävention wird als zentrale Aufgabe des Hausarztes angesehen, der als erster Ansprechpartner im Gesundheitssystem am Anfang eines potentiellen Prozesses der Überversorgung steht.

1. Qualitative Interviewstudie (Kathrin Alber). In Einzelinterviews mit Hausärzten aus der Region soll untersucht werden, welche Meinungen, Einstellungen, Begründungen und Handlungsstrategien auf Seiten der Hausärzte im Hinblick auf Überversorgung und Quartäre Prävention vorliegen.

Publikation: Alber, K., Kuehlein, T., Schedlbauer, A. et al. Medical overuse and quaternary prevention in primary care – A qualitative study with general practitioners. BMC Fam Pract 18, 99 (2017).

2. Quantitative Befragung (Maximilian Pausch). In der qualitativen Studie wurde bereits ein erstes Bild zu Meinungen und Handlungsstrategien auf Seiten der Hausärzte erfasst. Dieses Bild soll nun anhand einer größeren Stichprobe quantifiziert werden.

Publikation: Pausch M, Schedlbauer A, Weiss M, Kuehlein T, Hueber S (2020) Is it really always only the others who are to blame? GP’s view on medical overuse. A questionnaire study. PLoS ONE 15(1): e0227457. Published: January 15, 2020.

 

"Zwischen Zahlen und Personen – Wie relevant sind Kennwerte von Screeningmaßnahmen für den Arzt?" Eine quantitative Studie

Doktorand: Luca Frank

In der Öffentlichkeit finden kontroverse Diskussionen über Nutzen und Risiken von Früherkennungsuntersuchungen statt. Die Menschen sind verunsichert und auf den Rat eines vertrauten medizinischen Experten angewiesen. Doch selbst für Ärzte kann es schwierig sein zu einem abschließenden Urteil zu kommen. Es entscheiden eben nicht nur statistische Kennwerte, sondern auch die klinische Expertise des Arztes sowie die Erfahrungen und Präferenzen der ratsuchenden Patienten. Wir möchten mit unserem Ansatz zunächst herausfinden, welchen Einfluss epidemiologische Kennwerte für die Entscheidungsfindung des Hausarztes haben.

Publikationen:

Frank, L., Hueber, S., Kühlein, Th., Schedlbauer, A., Roos, M. Zwischen Evidenz und Praxis: Wie bewerten Hausärzte Früherkennungsmaßnahmen? Eine Fragebogenstudie. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, Volumes 135–136, September 2018, Pages 1-9

Frank L, Hueber S, van der Keylen P, Roos M. How confident are medical students about making clinical decisions relying on the evidence? A cross-sectional questionnaire study. GMS J Med Educ. 2019;36(6):Doc84.

"Haben Kinder mit Migrationshintergrund und/oder niedrigem Sozialstatus häufiger Auffälligkeiten bei der U9 Früherkennungsuntersuchung?"

Doktorandin: Astrid Theurer (geb. Ganz)

In Deutschland hat jedes Kind bundesweit einen Anspruch auf die zehn kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9, inbegriffen der U7a). Trotzdem sinkt die Zahl der Inanspruchnahmen von der U1 bis zur U9 ab. Die KiGGS-Studie hat ermittelt, dass besonders Eltern mit Migrationshintergrund und/oder einem niedrigeren Sozialstatus seltener mit ihren Kindern zur U9 gehen. In der Studie soll untersucht werden, ob bei der U9 der Sozialstatus und Migrationshintergrund einen Einfluss auf den Gesundheits- und den Entwicklungszustand von Kindern hat.

Dissertation: Theurer, A. Haben Kinder mit Migrationshintergrund und/oder niedrigem Sozialstatus häufiger Auffälligkeiten bei der U9 Früherkennungsuntersuchung? Dissertation, Medizinische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2019

"Intensiviertes PJ-Tertial Allgemeinmedizin." Eine qualitative Analyse

Doktorandin: Kathrin Ludwig

Der Hausarztmangel bedroht zunehmend die medizinische Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum. Mit unterschiedlichen Maßnahmen wird bereits versucht, die Attraktivität der landärztlichen Allgemeinmedizin zu steigern. Als ein motivierender Faktor wird die erfolgreiche Absolvierung des Wahl-Tertials im Fach Allgemeinmedizin im PJ angesehen. Am Lehrstuhl für Allgemeinmedizin wurde für PJ-Studierende das Konzept eines begleitenden Mentorings entwickelt. Das regelmäßige universitäre Mentoring begleitet die Studierenden während der gesamten 12 Monate, also auch außerhalb des allgemeinmedizinischen Tertials. Die Studierenden sollen bereits in den klinischen PJ-Abschnitten in die Lage versetzt werden, die Lehrinhalte, die in den Krankenhäusern vermittelt wurden, aus dem Blickwinkel der Allgemeinmedizin zu betrachten. Es soll untersucht werden, ob diese intensivierte Strukturen stärker zur Motivation für eine Entscheidung zur Allgemeinmedizin beitragen als eine Routineumsetzung des PJ Allgemeinmedizin. Ein weiteres Ziel ist die Exploration individueller Barrieren für eine mögliche Niederlassung in ländlichen Regionen. Das Vorhaben wird gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Pflege und Gesundheit.

Publikation: Ludwig K, Machnitzke C, Kühlein T, Roos M. Barriers to practicing General Practice in rural areas–Results of a qualitative pre-post-survey about medical students during their final clinical year. GMS journal for medical education. 2018;35(4).

"Seltene Erkrankungen in der Hausarztpraxis"

Doktorandin: Anne Lutz

Häufiges ist häufig, Seltenes ist selten. Aus dem Blickwinkel eines Hausarztes sind seltene Erkrankungen jedoch gar nicht so selten. Da es insgesamt über 5000 verschiedene seltene Erkrankungen gibt, entsteht ein beträchtliches Patientenkollektiv. Statisch gesehen hat jeder Hausarzt mindestens einen dieser Patienten zu betreuen. Nun stellt sich die Frage, wie gut die Versorgungsqualität dieser Patienten in der Allgemeinmedizin ist. Dazu wurden Betreuer von Menschen mit Prader- Willi- Syndrom in einem offenen Interview befragt, welches qualitativ ausgewertet wird. Ziel ist die Erfassung positiver und verbesserungswürdiger Zustände in der Betreuung dieser Patienten.

Publikation: Lutz, A., Schaaf, U., Roos, M. Menschen mit seltenen Erkrankungen in der Hausarztpraxis. Einblicke am Beispiel des Prader-Willi-Syndroms. Deutscher Ärzteverlag | ZFA | Z Allg Med | 2018; 94 (3)

 

"Landarzt – Welche Faktoren motivieren zu einer Niederlassung auf dem Land"

Doktorand: Moritz Männer

Der drohende Mangel an Hausärzten im ländlichen Raum beunruhigen Ärzte und Gesellschaft gleichermaßen. Eine Reihe von Maßnahmen, die mit finanzieller und ideeller Förderung versuchen, Barrieren abzubauen wurden bereits auf den Weg gebracht. Diese Studie soll explorieren, welche Gründe für eine Tätigkeit im ländlichen Raum sprechen. Im Rahmen zweier Seminare der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin in Bayern wurden 43 angehende Hausärzte gebeten, eine fiktive Werbekampagne zu entwerfen, die dazu motiviert als Hausarzt auf dem Land tätig zu werden. Die identifizierten positiven Aspekte betrafen berufliche Themen im Sinne besserer Rahmenbedingungen sowie umfassenderer Arbeitsinhalte. Gleichermaßen wurde das private Umfeld angesprochen, hier waren die günstigere Lebenshaltung, ein familienfreundliches Umfeld, Leben in der Natur sowie die Lebenszufriedenheit wichtige Themen. Auch Barrieren wurden diskutiert. Es wird eine Einschränkung der Privatsphäre, eine gefühlte ständige Verfügbarkeit beziehungsweise höhere Arbeitsbelastung sowie die Überforderung der eigenen Kompetenzen befürchtet. Fast 70 % (n = 29) der Teilnehmer können sich eine ärztliche Tätigkeit auf dem Land vorstellen.

Publikation: Maenner M, Schneider D, Schaffer S, Kuehlein T, Roos M. Welche Argumente motivieren für eine Landarzttätigkeit? Ergebnisse eines Workshops mit angehenden Hausärzten. Z Allg Med. 2015;91(4):154-159.

"Effektstärken in Leitlinien"

Doktorand: Marc Morgott

Im Rahmen der Evidence Based Medicine bemühen sich Vereinigungen aller Art, die unüberschaubare Flut von neuen und alten Erkenntnissen in Leitlinien zusammenzufassen, um die Ärzteschaft möglichst auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu halten und ihnen ein gewisses Maß an Handlungssicherheit zu geben. Dabei befinden sich diese Leitlinien durch ihre Natur bedingt ständig in der Weiterentwicklung und - nicht selten - im Kreuzfeuer der Diskussion. Vor diesem Hintergrund soll ein Beitrag zur Klärung einer der aktuellen Fragestellungen gegeben werden: „Sind Leitlinien gegenwärtig dazu geeignet, (Haus)Ärzte ausreichend zu informieren, damit sie bei der Behandlung des individuellen Patienten a) sich selbst eine fundierte Meinung bilden und b) den Patient im Sinne des informed consent umfassend und optimal beraten können? Als Einstieg zu dieser Thematik wurde für die laufende Untersuchung die Häufigkeit von Berichten von Effektmaßen relativ zu der Anzahl der in den Leitlinien gegebenen Empfehlungen als Outcome gewählt, da Berichte von Effektmaßen bezüglich Wirkungen und Nebenwirkungen als essenziell zur gezielten Auswahl von Interventionen im Individualfall sind. Deutsch- und englischsprachige Leitlinien zu den in der Allgemeinmedizin häufigen Themengebieten chronische KHK und Diabetes mellitus Typ 2 mit landesweitem sowie internationalem Einfluss werden hierzu recherchiert und hinsichtlich des genannten Outcomes quantitativ analysiert. Die Ergebnisse werden sodann entsprechend dargestellt und diskutiert. Dies soll eine Basis bereiten, um gegebenenfalls weitere Forschung in diesem Gebiet zu rechtfertigen und voranzutreiben.

Publikation: Morgott M, Heinmüller S, Hueber S, Schedlbauer A, Kühlein T. Do guidelines help us to deviate from their recommendations when appropriate for the individual patient? A systematic survey of clinical practice guidelines. J Eval Clin Pract. 2019;1–9

"Stellenwert der Konsultationskompetenz in der Weiterbildung"

Doktorandin: Christiane Nittritz

Im hausärztlichen Setting kommt der Konsultation ein hoher Stellenwert zu. Sie bildet ein zentrales Element im Aufbau und der Aufrechterhaltung einer tragfähigen Arzt-Patienten-Beziehung. Im Zuge der Modernisierung der Weiterbildungsordnung rückt der Erwerb der Konsultations- und Kommunikationskompetenz stärker in den Mittelpunkt. Die Studie geht der Frage nach, wie aktuell die Weiterbildungsinhalte in Bezug auf das Konsultationsverhalten wahrgenommen werden. Ziel ist es, ein Stimmungsbild zum Stellenwert der Konsultation im ärztlichen Alltag und in der Weiterbildung zu erheben. Dazu werden junge Ärzte in Weiterbildung und Weiterbilder befragt.

Publikation: Nittritz, Ch., Schaffer, S., Kühlein, Th., Roos, M. Konsultationskompetenz als Element in der allgemeinmedizinischen Weiterbildung in Deutschland – eine qualitative Befragung. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen. Volume 117, P57-64, November 01, 2016

„Fieber und Husten seit drei Tagen“ - Welche Symptome führen zu einer Verordnung von Antibiotika? Eine Conjoint-Analyse

Doktorandin: Lisa Brühl (geb. Schwarz)

Bei Patienten mit Atemwegsinfektion muss der Arzt zwischen einem oft viralen Infekt und einer bakteriellen Infektion, die gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden sollte, unterscheiden. Anhand der klinischen Symptomatik ist die Entscheidung nicht immer eindeutig. Mittels Conjoint-Analyse wird untersucht, welche Symptome bzw. Symptomkonstellationen ausschlaggebend für eine Verordnung von Antibiotika sind.

Publikation: Schwarz, L., Schedlbauer, A., Kühlein, Th., Hueber, S. „Fieber und Husten mit Auswurf“: Symptome, die eine Antibiotikumgabe triggern. Eine Conjoint-Analyse mit Hausärzten. Deutscher Ärzteverlag | ZFA | Z Allg Med | 2018; 94 (4)

"Erfassung der Patientenzufriedenheit in der ambulanten Versorgung"

Studentin (Medical Process Management): Friederike Eichhorn

Qualitätsmanagement dient der Verbesserung von Prozessen und Strukturen und einer Steigerung der Qualität ärztlicher Arbeit. Zur Messung der Qualität der Praxisarbeit und der Patientenversorgung wird häufig auch die Beurteilung der Praxis durch die Patienten miterfasst. Ziel der Arbeit war es, einen Fragebogen zur Messung der Patientenzufriedenheit in der hausärztlichen Versorgung zu entwickeln und dieses Instrument in die Regelversorgung zu übertragen. Die Befragung wurde im Sommer 2014 im MVZ Eckental durchgeführt.

"10 Jahre Qualitätsmanagement: Wahrnehmung aus Sicht der Hausärzte"

Studentin (Medical Process Management): Franziska Madlo-Thiess

Vor 10 Jahren wurde Qualitätsmanagement (QM) für den ambulanten Sektor verpflichtend eingeführt. Wir wollten wissen, wie die Einführung von QM von Hausärzten erlebt wurde, welchen Stellenwert es heute für sie hat und wie sie die Zukunft von QM einschätzen. In einem qualitativen Studiendesign wurden Ärzte eines Ärztenetzes in Experteninterviews anhand eines semistrukturierten Interviewleitfadens befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass für die Standardisierung einiger Basisprozesse wie Hygiene Einverständnis besteht. QM ließe sich jedoch kaum auf einen Bereich übertragen, der wesentlich von zwischenmenschlicher Beziehung und Kommunikation geprägt sei. Die Ärzte gaben an, QM auf ein erträgliches und für sie sinnvolles Maß reduziert zu haben. Zertifizierung wurde weiterestgehend abgelehnt. Die Erwartungen für die nächsten zehn Jahre waren im Sinne immer mehr bürokratischer Vorgaben eher pessimistisch. Die gesetzliche Einführung von QM war ein Eingriff der Gesellschaft in den professionellen Bereich der Ärzte. Statt passivem Widerstand und Beschränkung von QM auf ein erträgliches Minimum könnte eine engagierte eigenständige Qualitätsarbeit helfen, gesellschaftliches Vertrauen zurückzugewinnen, um die notwendige professionelle Autonomie zu erhalten.

Publikation: Kuehlein T, Madlo-Thiess F, Wambach V, Schaffer S. Zehn Jahre Qualitätsmanagement: Wahrnehmung und Stellenwert aus Sicht von Hausärzten in einem Ärztenetz. Gesundheitswesen 2018; 80: 226-231.

"Einführung des Entlassmanagements in der medizinischen Rehabilitation"

Masterand: Dominik Edel

Seit Inkrafttreten des Rahmenvertrags „Entlassmanagement-Reha“ vom 01.02.2019 sind stationäre Rehabilitationseinrichtungen dazu verpflichtet, Entlassmanagement für ihre Patienten durchzuführen. Nach einer Übergangsfrist bis zum 01.08.2019 wurden die nötigen Neuerungen umgesetzt.

Gut organisiertes Entlassmanagement spielt für die Zeit nach der Rehabilitation eine entscheidende Rolle. Es hat das Potential Versorgungslücken zu schließen, die medizinische und die pflegerische Versorgung zu optimieren und die Chance auf einen langfristigen Erfolg der Rehabilitationsmaßnahmen zu erhöhen. Mit der Einführung des Entlassmanagements steht die Klinik in der Verantwortung, die nach dem Reha-Aufenthalt erforderlichen medizinischen und pflegerischen Maßnahmen mit dem Patienten zusammen zu organisieren. Dazu gehört auch die Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen der Krankenkasse und/oder Pflegekasse. Darüber hinaus kann die Rehabilitationseinrichtung nun eine Arbeitsunfähigkeit nach der Rehabilitation feststellen. Außerdem können  Leistungen wie Arzneimittel, Heilmittel, Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege für bis zu 7 Tage nach der Rehabilitation verordnet werden.

Diese neuen Verantwortlichkeiten erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Akteure innerhalb und außerhalt der Rehaklinik. Die erfolgreiche Umsetzung des Entlassmanagements ist nur möglich, wenn diese neuen und komplexen Prozesse standardisiert umgesetzt werden.

In Kooperation mit der VAMED Rehaklinik Ahrenshoop werden in der entstehenden Masterarbeit die bereits vorhandenen Prozesse des Entlassmanagements der Rehaklinik Ahrenshoop dargestellt. Daraufhin sollen unter dem Einfluss von Experteninterviews die dargestellten Prozesse standardisiert und optimiert werden, um ein nachhaltiges und effizientes Entlassmanagement sicherzustellen.

 
Kontakt Forschung

Allgemeinmedizinisches Institut - Forschung

Dr. phil. Susann Hueber

Universitätsstr. 29
91054 Erlangen

 


Forschungsbericht

Hier können Sie den Forschungsbericht des Jahres 2019 herunterladen.