Unser Leitbild

Allgemeinmedizin

Direktor:
Prof. Dr. med. Thomas Kühlein

Unser Leitbild...

Die primärärztliche Versorgung der Zukunft

...als Grundlage zum Weiterdenken, Widersprechen und Diskutieren

Herausforderungen unserer Zeit:

Unser Streben nach Wachstum hat enorme Fortschritte im Bereich der Technik ermöglicht; auch auf dem medizinischen Sektor. Diese Entwicklung führte zu einem anderen Verständnis von Gesundheit und resultiert in einer immer größeren Anzahl von Menschen, die ein hohes Alter erreichen. Dennoch wird der einzelne Mensch nicht wesentlich älter als früher. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts scheint sich eine Sättigung einzustellen. Die Möglichkeiten zu Diagnostik und Therapie steigen zwar rasant an, jedoch sind die meisten für den einzelnen Menschen irrelevant und nicht selten in ihrer Summe schädlich. Man spricht von Überversorgung. In den unendlich scheinenden Möglichkeiten scheint oft die Basis einer guten und adäquaten Gesundheits-Grundversorgung verloren zu gehen. Dann spricht man von Unterversorgung.

Lösungen aus hausärztlicher Sicht:

Eine Antwort auf diese Entwicklung sehen wir in einer starken hausärztlichen Versorgung in einem primärmedizinischen System. Die Primärversorgung findet durch Hausärzte oder Allgemeinärzte (Generalisten) statt. Die Primärmediziner sind erste und letzte Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen, auch dann, wenn das Pulver der Spezialisten verschossen ist. Sie behandeln das Anliegen entweder selbst oder werden durch Spezialisten unterstützt. Eine parallele Inanspruchnahme von Hausarzt und Spezialisten sowie eine unkoordinierte Versorgung werden vermieden. Auch stehen Hausärzte und Spezialisten nicht in (wirtschaftlicher) Konkurrenz zueinander.

Um eine solche Primärversorgung zu denken, erlauben wir es uns, fast alles in Frage zu stellen. Dazu gehört auch, die Systemfrage im Sinne unseres Gesundheitswesens zu stellen, das eben zu wenig ein System genannt werden kann. Angesichts der demographischen Entwicklung wird ein Mangel an Haus- und Fachärzten unvermeidlich sein. Ein auf Konkurrenz, Wettbewerb und Wachstum angelegtes System halten wir für nicht zielführend. Was wir brauchen, ist ein System der Kooperation, Effizienzsteigerung und Beschränkung auf das Notwendige.

Die für primärärztliches Handeln notwendige Entscheidungsgrundlage ist die vorhandene und zu schaffende Evidenz aus der Forschung. Aus der Evidenz ergeben sich die Effektmaße für Nutzen und Schaden diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Der Transfer von Evidenz in die praktische Versorgung wird von uns auf den Ebenen Versorgungsforschung, klinische Qualitätssteuerung und in der primärärztliche Aus-/Weiter- und Fortbildung unterstützt.

Versorgungsforschung:

Unser Forschungsnetzwerk PRO PRICARE verbindet Wissenschaft und Ärzte in der Praxis. PRO PRICARE steht für Preventing Overdiagnosis in Primary Care, die Vermeidung von Überversorgung. Unter- und Überversorgung schließen sich nicht aus, sondern existieren parallel zueinander oder bedingen sich gegenseitig. PRO PRICARE richtet sich insgesamt darauf, nutzlose oder nicht ausreichend nützliche Medizin zu identifizieren, um sie zu verringern und damit die Etablierung einer adäquaten Grundversorgung zu ermöglichen. Leitgedanke unserer Forschung ist die explizite Einbindung aller an der Versorgung Beteiligten, um Versorgungsforschung im Sinne von „aus der Praxis – für die Praxis“ zu praktizieren.

Klinische Qualitätssteuerung:

Das an unser Institut angebundene MVZ-Eckental ist unsere Modellpraxis und Schnittstelle zwischen Versorgungsforschung und Aus-/Weiter- und Fortbildung. Im Praxistest werden neue Versorgungskonzepte erprobt, reflektiert und standardisiert. Wir verfolgen das Prinzip der Checkliste, die gleichzeitig Leitlinie ist, das Vergessen von Entscheidungen verhindert, die Dokumentation und Datenerhebung strukturiert und die Umsetzbarkeit in den bestehenden Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems erprobt um diese letztlich zu verändern. Unser primärmedizinisches Modell für die Zukunft basiert auf dem multiprofessionellen Versorgungsteam. Die Kennzeichen idealer hausärztlicher Versorgung wie Zugänglichkeit, Versorgung über die Zeit und persönliche Verantwortlichkeit wollen wir weiterleben, aber um die Aspekte der Populationsbezogenheit und der Transparenz sich selbst gegenüber aber auch gegenüber der Gesellschaft ergänzen.

Primärärztliche Aus-/Weiter- und Fortbildung:

Der Schlüssel zu einer primärärztlichen Versorgung der Zukunft ist der Nachwuchs. Es gilt die nächste Generation von PrimärmedizinerInnen in den Grundlagen von klinischer Entscheidungsfindung und klinischer Qualitätssteuerung auszubilden. Statt hierarchischer Systeme wollen wir junge ÄrztInnen dazu befähigen auf Basis kritischer Evidenzbewertung und in gemeinsamer Diskussion Versorgungsstandards festzulegen und wo nötig von ihnen abzuweichen. ÄrztInnen sollen ihrer Verantwortung gegenüber dem individuellen Patienten auf der einen Seite und der Gesellschaft auf der anderen Seite gerecht werden. 

 
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